Der erste Schritt, um deiner Angst zu begegnen

Jeder Mensch kennt das Gefühl von Angst: ob als lähmende Emotion mit unangenehmen Körperempfindungen, einen dauerhaften Zustand der Bedrohung oder eine innere nervöse Ängstlichkeit. In unserem Versuch, das Gefühl der Angst zu bewältigen, versäumen wir meist den ersten Schritt der so genannten Akzeptanz: Wir bleiben nicht präsent im Hier und Jetzt und geraten in der Folge noch stärker in Bedrängnis. Im heutigen podcast betrachten wir die Angst aus einer spirituellen Perspektive.

Wenn wir uns dem Thema Angst aus einem spirituellen Blickwinkel nähern, stoßen wir direkt auf den menschlichen Geist und seine Charakteristika. Unser Geist ist in den meisten Fällen der Grund dafür, dass wir nicht gelassen und frei mit unserer Angst umgehen können und uns selbst den Zugang zu den inneren Ressourcen versperren.

Schauen wir uns einmal an, was in unserem emotionalen System geschieht, wenn wir Angst verspüren.

Angst ist ein Gefühl, das wir möglichst schnell loswerden wollen.

Angst ist ein sehr unangenehmes Gefühl, das eine Gefahr suggeriert. Wir wollen sie möglichst schnell loswerden. Da wir Menschen dazu neigen, alle unlustvollen Emotionen schnell beseitigen zu wollen, stellen wir uns der Angst sofort entgegen. Nahezu zeitgleich verlieren wir den Bezug zu unserem präsenten Gewahrsein.

Angst konfrontiert uns direkt mit dem, was wir vermissen. 

Wenn wir uns ängstlich fühlen, treffen wir unmittelbar auf ein weiteres Gefühl: dem der Entbehrung. Wir spüren sofort, was uns eigentlich fehlt, nämlich Sicherheit. Auch diesen schmerzlichen Verlust wollen wir möglichst schnell beseitigen.

Startschuss für den unruhigen Geist

Treffen Angst und entbehrte Sicherheit aufeinander, wird es innerlich sehr unangenehm. Meist kommt an dieser Stelle unser Geist ins Spiel. Er kann es nicht ertragen, dass es für die innere Spannung scheinbar keine Lösung gibt. Und da unser Geist auch Emotionen nicht mag, beginnt er nach der Beseitigung des Problems zu suchen. Er agiert dabei herrisch wie ein Soldat und betreibt vermeintliche Beruhigung auf verschiedenen Ebenen: So sucht er im Außen bei anderen Menschen oder in unserer Vergangenheit nach Lösungen – unabhängig davon, ob das sinnvoll ist oder alte Bewältigungsmechanismen heute noch tragen. Manchmal legt unser Geist auch andere Gefühle über die schwer aushaltbare Angst.

Das Problem bei diesem Vorgehen ist: der suchende Geist kann gemäß seines Charakters nicht wirklich „fündig“ werden – zumindest nicht auf längere Sicht. Dazu müsste er aus dem Modus des Suchens aussteigen und den Urzustand der Angst und der mangelnden Sicherheit anerkennen. All das entspricht nicht dem Wesen des ruhelosen Geistes. 

Frieden als innere Instanz

Echten Frieden finden wir nur, wenn wir uns unserer inneren Präsenz zuwenden. Ich will damit nicht sagen, dass unser Geist keine sinnvollen Lösungen produzieren kann. Wirklich zur Ruhe kommen wir aber erst, wenn wir uns mit unserer inneren Stimme verbinden, bevor wir den Geist von der Leine lassen.

Welchen ersten Schritt sollten wir gehen, wenn uns die Angst heimsucht?

Wir brauchen unsere Rezeptivität und müssen den Mut aufbringen, uns der Angst zunächst einmal zu stellen. Emotional dürfen wir die volle Ladung dieser mächtigen Emotion empfangen und ganz in sie hinabtauchen. Und das mit einem wesentlichen Unterschied zur Strategie des Geistes: Wir bleiben präsent und im Gewahrsein.

Wir nehmen dann auch unseren Widerstand gegen das Angstgefühl und den Schmerz über den Verlust der Sicherheit wahr. All das will von uns wirklich gefühlt und angenommen werden.

Wir dürfen darauf verzichten, sofort gedankliche Lösungen kreieren zu wollen und auf „Teufel komm raus“ einen anderen Gefühlszustand einzunehmen. Wir bleiben vielmehr in der Emotion der Angst und spüren wie sich durch unseren Körper bewegt und vielleicht auch dort entlädt. Damit sind wir automatisch freier. Diese Freiheit durch Akzeptanz ist die Basis für jede andere Technik, die wir zur Bewältigung unserer Angst einsetzen können und Voraussetzung für die Transformation derselben. So beginnt der wahre Heilprozess!

Ich hoffe, dass dieser Perspektivenwechsel dich in deinem Umgang mit Angst unterstützt. Und dass er dir dabei hilft, weiter zu erforschen, was dir helfen könnte, um dich nicht in Angstgefühlen zu verlieren.

Noch mehr zum Thema …

Angst kann viele unterschiedliche Gesichter haben. Und jeder erlebt Angst anders. Im Podcast #031 erfährst du den Umgang damit

  • wie sich Angst aus einer spirituellen Perspektive darstellt
  • warum der unruhige Geist keinen echten Frieden bringt
  • dass dir Achtsamkeit hilft, sinnvoll mit deiner Angst umzugehen.
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