Einsamkeit in Corona-Zeiten

Einsamkeit ist ein Gefühl, mit dem wir in der aktuellen Zeit stark konfrontiert sind. Sie ist sehr unangenehm, schleicht sich wie von der Seite in unser Inneres und erzeugt einen Zustand des „Leerseins“, eine tiefe Sehnsucht nach Vollständigkeit und Lebendigkeit. In der Vergangenheit half es uns manchmal, bei Gefühlen der Einsamkeit unter Menschen zu gehen. Diese Möglichkeit zur Kompensation fällt jetzt weg. Aber auch vor der weltweiten Pandemie fühlten wir uns manchmal einsam. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, warum wir uns diesem Gefühl jetzt so besonders ausgeliefert fühlen und was eigentlich hinter Einsamkeit steckt.

Fehlender Spannungsabbau

Uns fehlt momentan die Möglichkeit, uns richtig auszupowern – im Fitnessstudio, beim Schwitzen im Yoga-Kurs, wilden Tanzen oder auf Konzerten.

Wenig Gemeinschaft

Wir fühlen uns beschnitten, was das Thema Gemeinschaft anbelangt. Selbstverständliche Dinge wie die Bürogemeinschaft sind nicht mehr da. Parties, gemeinsame Restaurantbesuche, gesellige Events – aber auch Selbsterfahrungsseminare, Gottesdienste, Meditationsgruppen –  fehlen uns in ihrer bisherigen Form. Das macht uns ziemlich einsam.

Externe Kunst fällt weg

Wir haben keine Gelegenheit mehr, uns an externer Kunst zu erfreuen. Das Wunderbare an Konzerten, Gemälden oder anderen Darstellungsformen ist: Künstler drücken in diesen Werken psychische Prozesse oder gesellschaftliche Entwicklungen aus. Dies berührt uns im Innern und kann das Gefühl von Einsamkeit schmälern. Momentan steht uns diese Ressource nicht zur Verfügung.

Kleine Alltagsgesten sind nicht mehr da

Wir vermissen körperliche Gesten wie das Händeschütteln oder die freundschaftliche Berührung am Arm. Unabhängig von der politischen Einstellung oder unserer Haltung gegenüber den Maßnahmen der Regierung ist das ein Kollateralschaden, der in seiner Auswirkung nicht unterschätzt werden sollte. Noch schlimmer wird es, wenn auch der Augenkontakt und der Herzenskontakt nicht mehr stattfinden. Damit wird unsere emotionale Verbindung gekappt – was mit dem Infektionsschutz nicht zu tun hat und nicht sein sollte.

Wir machen die Erfahrung, dass die Verlagerung in die Welt des Internets uns kurzfristig weiterhilft, aber keinen echten Ersatz darstellt. Online-Meetings oder Meditationen über den Browser sind „besser als nichts“, können das Gefühl von Einsamkeit aber nicht nachhaltig reduzieren.

Nach was sehnen wir uns eigentlich, wenn wir einsam sind?

Tiefe Verbindungen mit anderen Menschen verursachen Gefühle von „Genährt-Sein“ und sind sehr befriedigend. Sie sind das Gegenteil von Einsamkeit. In der Regel suchen wir diese Gefühle in Beziehungen zu anderen Menschen, vor allem in partnerschaftlichen. Auch das ist aktuell nicht unbedingt einfach: Gerade Singles oder Menschen in polyamourösen Beziehungen können ihre Bedürfnisse aktuell nur schwierig befriedigen. Treffpunkte wie Kinos, Restaurants oder Cafes fallen flach und Treffen in der Natur sind in der kalten Jahreszeit nur bedingt geeignet.

Eine weitere Möglichkeit, unserer Sehnsucht nach Nähe Rechnung zu tragen, ist die Beziehung zu Haustieren, unseren Herzensfreunden.

Naturerlebnisse

Ich möchte dir gerne den Tipp geben, das Gefühl von Verbundenheit in der Natur zu suchen. Wir finden in der Natur völlige Präsenz und können mit allem kommunizieren. Warum nicht einmal dem blauen Himmel, der Weite symbolisiert, seine Sorgen erzählen? Oder sich von der Sonne völlig durchleuchten lassen? Wenn wir der Natur wirklich nahe sind, können wir das Gefühl von Vollständigkeit reaktivieren.

Das Schöne ist: wenn wir uns in der Verbundenheit mit der Natur dem inneren Mangel entgegengestellt haben, werden auf einmal alle menschlichen Kontakte wichtig. Dann ist der Augenkontakt mit dem Schaffner in der Bahn ein segensreiches Geschenk und das Online-Meeting erhält eine andere Qualität. Du fühlst dich wieder erfüllt.

Tanke in der Natur auf und komme in Kontakt mit deinem inneren Kern.

Auch Meditationen, Lobpreisungen oder Gebete haben nichts von ihrer Wirkkraft verloren.

Wem es gelingt, das Gefühl von Einsamkeit im inneren Rückzug zu transformieren, hat sehr viel zu geben. Er oder sie teilt seine positive Energie mit anderen und diese tun dasselbe. So entsteht nach und nach ein neues Gefühl von Verbindung. Wir lernen Kleinigkeiten wieder schätzen und erfreuen uns an einem kleinen Lächeln. Der entstehende Kreislauf stärkt die Erfahrung: Einsamkeit ist eine Illusion, Verbundenheit immer schon da.

Wir dürfen uns immer verbunden fühlen – mit oder ohne Körperkontakt.

Über den Augenkontakt die Herzensverbindung stärken

Besonders schwer fällt uns aktuell, dass über das Wahren des Abstands der emotionale Kontakt zurückgeht. Die entstehende Kluft schmerzt im tiefsten Innern. Ich habe deshalb folgenden Tipp:

Auch wenn das Wahren des Abstands im Moment wichtig ist, verzichte nicht auf den Kontakt mit den Augen deines Gegenübers. Du kannst dich darüber mit seinem Herzen verbinden. Auch wenn der Augenblick noch so kurz ist, kann er sehr innig sein. Dabei wirst du erleben: Wenn zwei Herzen miteinander verbunden sind, gibt es keine Einsamkeit mehr.

Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Üben der Verbundenheit. Und schließe mit dem Mantra:

„Lokah Samastah Sukhino Bhavantu. Mögen alle Lebewesen glücklich und zufrieden sein.“

In meinem nächsten Podcast #029 stelle ich dir eine Essener-Meditation zur Überwindung von Einsamkeit vor. Du wirst erfahren, wie du dich über die Verbindung zweier Herzen von diesem unangenehmen Gefühl befreien kannst.

Noch mehr zum Thema …

Wir leben in einem Zeitalter der Selbstinszenierung. Höre dazu meinen Podcast #028, hier erfährst Du

  • Nach was wir uns eigentlich sehnen, wenn wir uns einsam fühlen.
  • Wie wir mit der Natur kommunizieren können.
  • Was sich ändert, wenn unsere Herzen miteinander verbunden sind.
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