Drei Wege zur Selbsterkenntnis bei den alten Essenern

Viele Menschen interessieren sich brennend für das Thema Selbsterkenntnis, für jenen Teil in ihnen, der das physische Leben in unserem Körper überdauert. Um uns dem anzunähern, müssen wir nicht zwingend nach Indien reisen – wir können diese spezielle Form der Erleuchtung auch hier in unserem Heimatort finden.

Wenn wir uns mit dem Thema Selbsterkenntnis befassen, hilft uns eine Beschäftigung mit den alten Essenern aus vorchristlicher Zeit. Auch sie hatten bereits das Bedürfnis, sich der spirituellen Wahrheit des „was ist wirklich wahr?“ oder des „was überdauert unser irdisches Dasein?“ anzunähern.

Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass diese spirituelle Wahrheit nichts ist, das wir anstreben müssen, sondern etwas, das bereits da ist – das wir nur erkennen müssen. Dazu haben die alten Essener drei Wege entwickelt, die ich im Folgenden etwas näher erläutern möchte. Sie alle sind eine Art Brücke zu unserer eigentlichen Präsenz, dem All-Einen, der inneren Stille oder unserem wahren Kern – über unserer Unvollkommenheit hinweg.

Der erste Weg: Über das Bewusstsein

Hier geht es darum, eine Entscheidungsfähigkeit zu entwickeln – und zwar zwischen den beiden Polen: Was ist vergänglich und was ist es gerade nicht? Was ist Stille bzw. reines Glück? Was ist ein Gedanke und was eine Emotion? Wenn wir diese Entscheidungsfähigkeit entwickeln, erkennen wir, dass Stille unsere eigentliche Natur ist – diese aber ab und an durch Emotionen oder Gedanken gestört wird. Dieser Ansatz ähnelt sehr dem Gedankengut des Advaita Vedanta. Wenn wir den Weg des Bewusstseins gehen, begreifen wir stets aufs Neue, was sich im tiefsten Innern nicht „bewegt“. Man könnte auch sagen: Was ist ganz ruhig in mir/was ganz still? Was hat keine Bedürfnisse? Was ist schon jetzt erfüllt bzw. befriedigt?

Die alten Essener trainierten den Weg des Bewusstseins zum einen über Meditationen. Zum anderen aber auch über eine innere Haltung des Hinterfragens in Bezug auf das eigene Erleben. Hier besteht eine enge Verbindung zu psychologischen Ansätzen, die sich mit der unentwegten Bewertung unserer Emotionen oder Gedanken beschäftigen. Konkretes Beispiel: Jemand schaut uns für unser Empfinden seltsam an und wir interpretieren sofort: „Ah, diese Person kann mich nicht gut leiden“. Wenn wir unser Bewusstsein einsetzen, sind wir in der Lage, unsere Konklusionen (hier: ein anderer „schaut schräg“, also mag er mich nicht) auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu untersuchen. Denn wirklich real ist in diesem Beispiel nur das Gefühl des „sich abgelehnt Fühlens“. Alles andere ist unsere eigene Interpretation.

Der zweite Weg: Über Schriften

Einen weiteren Weg, den die alten Essener nutzten, ist die Lektüre von Heiligen Schriften oder Poesie. Wenn wir diesen Weg wählen, haben wir einen direkten Zugang zur Spiritualität – eben weil viele der überlieferten Schriftstücke Zeugnisse spiritueller Erlebnisse sind. Häufig sind die Texte Versuche, das in Worte zu fassen, was eigentlich nicht in Worte zu fassen ist. Häufig erzeugt das Geschriebene in uns deshalb eine Resonanz, weil es die Funktion einer Brücke hat: Zwischen dem Erlebten des Autors und unserem eigenen. Im Grunde geht es dann nicht um die Worte, sondern das, „was dahinter steckt“. Wir partizipieren an der Schwingung des vom anderen Geschilderten und kommen der Wahrheit damit ein Stück näher.

Der dritte Weg: Beobachtung der Natur

Ich finde diesen Weg besonders interessant, weil er sehr facettenreich ist. Die alten Essener widmeten einen großen Teil ihrer Zeit der Beobachtung von Natur- und kosmischen Kräften und entwickelten Meditationen sowie Kontemplationen daraus. In der Wahrnehmung dieser Kräfte kommen wir mit etwas in Kontakt, was uns zwar ebenfalls innewohnt, aber nicht in jedem Moment zugänglich ist. Wir können uns bei der Betrachtung eines Baumes zum Beispiel fragen: Über welche Kräfte verfügt dieser Baum? Was hat er für eine Schwingung? Wie kann ich mit dieser Schwingung in Resonanz gehen, wie kann sie auch in mir erklingen?

Im nächsten Schritt gehen wir tiefer und fragen uns: Was haben der Baum und ich gemeinsam? Wo kommt der Baum eigentlich her? Dabei beobachten wir ihn noch intensiver und nähern uns seiner Quelle an. Im Anschluss erkennen wir, dass der Ursprung des Baums und der des Menschseins derselbe ist.

Man könnte sagen, dass die alten Essener den kleinsten gemeinsamen Nenner mit den Bäumen (sowie Wasser oder Luft) gesucht haben. Sie fanden das Verbindende alles Lebendigen. Auf ähnliche Weise näherten sich die Essener den kosmischen Kräften an und entdeckten das göttliche Prinzip in allen Dingen. Alle ihre Beobachtungen führten sie in die Mitte bzw. die Stille; in die Erkenntnis dessen, was hinter unserem Menschsein steckt.

Schau gerne einmal für dich, welcher der Wege dein Zugang ist. Bist du jemand, der den ersten Weg wählt und die Dinge hinterfragt bzw. das Gewahrsein im Hier und Jetzt kultiviert? Oder liest du lieber Schriften, z.B. jene von Hermann Hesse? Oder gehst Du gerne in die Natur, beobachtest das Firmament und lässt dich über deine Sinne in die Stille lenken?

Ich wünsche dir ganz viel beim Spaß beim Untersuchen und beim „in die Stille kommen“ – sowie bei deiner Selbsterkenntnis.

Wert und Grenzen einer Meinung

Im Podcast #065 geht es um Selbsterkenntnis bei den alten Essenern. Viele Menschen interessieren sich brennend für das Thema Selbsterkenntnis, für jenen Teil in ihnen, der das physische Leben in unserem Körper überdauert.

  • wie sich die alten Essener dem wahren Selbst angenäherten
  • auf welche Weise du die spirituelle Wahrheit entdeckst
  • verschiedene Wege, um sich mit der Stille zu verbinden.
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