Nondualität und Freude im Herzen

Die bewusste oder unbewusste Freude ist häufig mit einer rastlosen Suche verbunden. Nach irgendetwas oder irgendjemanden, der in uns dieses Gefühl aufkommen lässt. Manchmal gelingt uns das und wir kommen in Kontakt mit dieser Emotion. Leider ist die Freude aber häufig nur von kurzer Dauer. Was tun wir dann? Finden und wieder verlieren?

Die Suche nach der Freude im Herzen ist so alt wie die Menschheit. In spirituellen Schriften wird oft von Menschen berichtet, welche diese Freude tief in ihrem Herzen tragen. So wird z.B. in der Thora, dem Genesis, vom Garten Eden berichtet. Das muss ein Ort gewesen sein (in meiner Betrachtung ein symbolischer Zustand), der genau diese Herzensfreude darstellt. Aber dann stellte sich etwas dazwischen – es entstand eine Art Kluft zwischen Mensch und Freude. Diese Kluft führte schließlich zum „Rauswurf“ aus dem Paradies.

Nehmen wir die nonduale Perspektive dazu, entspricht diese Kluft einer Art tragischem Vergessen der eigenen wahren Natur. Damit geht der Verlust der Freude einher. Wir sind dann wie reduziert auf eine viel kleinere Version unseres eigentlichen Wesens, das sich ausdrückt in „Mein Ego“, „Mein Körper“, „Mein Leben“. Wenn Freude also etwas ist, das außerhalb von uns existiert, sind wir auf einem unsicheren Weg. Wir können diese Form von Freude nicht kontrollieren – zumindest nicht in dem Maße, wie wir uns das wünschen.

Dauerhaft auf Freude zu verzichten, ist nicht stimmig

Wenn wir vergessen, dass unsere eigentliche Natur die Freude ist, beginnt ein unglückseliger Zustand. Man könnte ihn auch als Pokerspiel um die Freude bezeichnen, bei der es immer einen Gewinner gibt. Wir suchen unsere Freude dann in Aktivitäten, Beziehungen, Informationen, psychologischen Qualitäten und vielem mehr. Ein Muster wird in Gang gesetzt: Finden wir unser Glück nicht mehr im beruflichen Erfolg, schwenken wir auf das Familienleben und so weiter.

Was passiert mit uns, wenn wir ständig dem Gewinn hinterherjagen?

  1. Aus der Sicht des Tao bedeutet das ständige Suchen nach der Freude im Außen einen Verlust an Lebensenergie. Wir strengen unser Herz damit sehr an. Es ist, als ob wir im großen Ozean schwimmen und nur auf diejenigen Wellen achten, die eine bestimmte Form haben. Oder ständig Angst haben, wir könnten „die eine Welle“ verpassen. Vielleicht verbringen wir z.B. zu viel Zeit in Social Media, um nach der Verbindung mit anderen zu suchen. Das ist grundsätzlich nicht falsch. Aber sind wir auch bereit, ins Finden zu kommen? Geben wir dem Außen die Freiheit, uns nicht zu gefallen und können dann trotzdem an die Freude in uns selbst anknüpfen?
  2. Es könnte auch passieren, dass wir enttäuscht sind. Darüber, wie wenig erfolgreich unsere Suche nach der Freude war. Dann empfinden wir Resignation oder Bitterkeit. Beides sind sehr menschliche Gefühle. Wenn das so ist, sind wir schon ein Stück weiter. Denn: wir jagen schon nicht mehr jeder illusionären Freude hinterher. Auch hier ist eine grundsätzliche Offenheit sehr wichtig.

Grundannahme über die Freude

Natürlich verhält es sich so, dass äußere Anlässe das Empfinden von Freude triggern. Das können eine Liebesbeziehung, die Geburt eines Babys, aber auch ein schönes Abendessen, ein anregendes Gespräch oder ein kreativer Mensch sein. Eine wichtige Erkenntnis ist aber: Die Freude entsteht nicht über diese äußeren Ereignisse, sie wird darüber nur erkannt. Sie ist wie ein „Aufhören, gegen die Tür des Vergessens zu drücken“. Sie geht durch die Struktur des Menschen, durch seinen Körper und wird dadurch wiedererkannt. Wichtig ist, dass wir uns nicht an die äußeren Begebenheiten klammern.

Spielen wir z.B. Roulette, kann es sein, dass wir zwar schon oft auf die Zahl acht gesetzt haben. Dennoch haben wir nicht immer das Glück, dass genau diese Zahl gewinnt. Dieses Unterfangen bleibt unsicher.

Wie kann Freude dauerhaft gelingen?

Wenn ich es gewohnt bin, Freude ausschließlich im Außen zu suchen, mag es sich zunächst wie ein Risiko anfühlen, an anderen Orten nach Erfüllung zu suchen. Dabei möchte ich klarstellen: Es ist auf jeden Fall sinnvoll, weiterhin in das Casino der Freude zu gehen und alle schönen Dinge, die das Leben bereithält, zu genießen. Dabei können wir durchaus an die Erfahrungen der Vergangenheit anknüpfen und das versuchen, was uns schon früher Freude bereitet hat und es vielleicht auch jetzt tut.

Die Freude lässt sich dann auch durch das Spiel im Casino erfahren. Aber nicht, weil wir auf den Gewinn angewiesen sind – sondern ganz einfach, weil wir Spaß haben an den Möglichkeiten eines bunten Lebens.

Es ist zentral zu erkennen: Die Freude ist in Fülle bereits da, weil wir daraus entstanden sind. Genauso müssen wir erkennen, dass Freude immer bei uns selbst und nie beim anderen entsteht. Sie ist etwas uns „ureigenes“ und nichts Fremdes.

Unser Gegenüber wird von der Freude umfasst, ist aber nicht deren Voraussetzung. Es „macht“ die Freude nicht.

Spirituelle Praxis der alten Essener: Kontemplieren auf das Herz

  1. Spüre den Brustraum so, wie er sich gerade für dich anfühlt. In seiner Weite oder Enge. Gehe in diesen inneren Raum. Vielleicht hast du den Mut, die folgende Frage für dich zu formulieren: „Ist mein wahres Wesen die Freude selbst?“
  2. Vielleicht kannst du die Freude dann schon wahrnehmen – ohne etwas tun zu müssen oder ein Gegenüber zu brauchen. Du kannst einfach bei dir sein und sie wahrnehmen.

Die Frage, ob dein wahres Wesen nicht die Freude selbst ist, wird die Perspektive früher oder später verändern. Wenn sich zu dieser Frage noch etwas Gnade gesellt (die wir nicht in der Hand haben), werden viele alte Vorstellungen geradezu „einbrechen“. Wir erfahren dann, dass Freude unsere natureigene Kraft ist und etwas sehr Beständiges.

Es gibt auch einen Podcast, bei dem ich dich durch eine Kontemplation zu diesem Thema führe.

Nondualität und Freude im Herzen

Im Podcast #045 beschäftigen wir uns mit Freude und ihrer Suche. Manchmal finden wir sie und wir kommen in Kontakt mit dieser Emotion. Leider ist die Freude aber häufig nur von kurzer Dauer. Du lernst

  • was energetisch passiert, wenn du Freude nur im Außen suchst
  • dass unser eigentliches Wesen die Freude selbst ist
  • wie du mit dem inneren Raum der Freude in Kontakt trittst
Nach oben scrollen