Wenn es nicht still wird beim Meditieren

Kennst du das folgende Szenario? Du hast es dir auf deinem Meditationskissen bequem gemacht, dein Handy stummgestellt und die Kerze brennt. Was sich aber partout nicht einstellen will: Die versprochene innere Stille. Im Gegenteil, die Gedanken sind lauter denn je zuvor und du zerschmilzt geradezu mit ihnen.

In diesem podcast geht es um die Frage, was passiert, wenn es einfach nicht ruhig wird beim Meditieren.

Welche Arten von Gedanken tauchen beim Meditieren auf?

Verschiedene Konstellationen sind möglich:

  • Wünsche und Phantasien kommen an die Oberfläche. Die Inhalte sind vielfältig und reichen von der Sehnsucht nach einer Partnerschaft bis zum Ausmalen des eigenen beruflichen Erfolgs.
  • Unser Geist spült Bedrohungen oder basale Ängste in unser Bewusstsein.
  • Die Gedanken erscheinen völlig ohne Zusammenhang und sind regelrecht sinnlos.
  • Rastlose Zustände stellen sich ein: Was muss ich heute, morgen oder in den kommenden Wochen erledigen? Was bringt das nächste Jahr für mich?
  • Widerstand und Langeweile tauchen auf. Wir haben eigentlich gar keine Lust hier zu sitzen und würden lieber etwas ganz anderes tun.

All diesen Gedanken ist gemeinsam, dass sie sich als sehr dringlich darstellen. Ihre Wichtigkeit macht es scheinbar unmöglich, jetzt in die Stille zu gehen. Selbst wenn wir das erkennen, können wir uns nicht von ihnen lösen. Im Gegenteil, die Gedanken packen dann häufig „noch etwas oben drauf“ und verkleiden sich in einem spirituellen Gewand. Sie kommentieren dann das, was wir bei der Meditation erleben.

Wie gehen wir mit den Gedanken um?

Viele Meditierende sind streng mit sich und verurteilen die eigene Unfähigkeit, die Gedanken endlich zu kontrollieren. Anderen werden apathisch und eine weitere Gruppe diszipliniert sich noch stärker.

Manchmal geben wir auch ganz auf, z.B. weil wir meinen, andere Übende wären auf ihrem Weg viel weiter und „Meditation sei eben doch nichts für uns“.

Welches Missverständnis entsteht?

Wenn wir mit einem Leistungsgedanken an das Meditieren herangehen, begeben wir uns in einen Kampfmodus. Dabei gibt es immer Sieger oder Verlierer: Entweder wir schaffen es, unsere Gedanken zu kontrollieren und zu dominieren – oder es geschieht genau das Gegenteil. Die Gedanken verschlucken uns und wir sind ihnen unterlegen.

Sobald wir denken, dass wir uns Meditation erkämpfen können, verlieren wir den Kontakt zur ihrer eigentlichen Natur. Denn: Meditation befindet sich jenseits von jeglicher Kampfenergie. Sie kennt die Dimensionen von Gewinnen oder Verlieren nicht und hat auch nichts mit Erreichen oder Versagen zu tun. Stille kann sich nie aus einem Kampfmodus heraus entfalten.

Bildlich gesprochen:

  • Wir wollen die Größe eines Raumes erfahren, kleben aber an seinen Wänden fest.
  • Wir untersuchen die Details dieser Wände und ihre Beschaffenheit, z.B. die Risse und Flecken. Wir „versäumen“ es dabei den Raum zu erkennen, obwohl er eigentlich schon die ganze Zeit da ist und sind darüber mächtig genervt.
  • Wir wünschen uns die Wände anders und können sie nicht akzeptieren, wie sie sind.
  • Wir verbringen viele Stunden, Jahre oder ganze Inkarnationen damit, uns an diesen Wänden die Zähne auszubeißen.

Eventuell ist es an der Zeit, den Kampf mit den Wänden zu beenden? Oder ihrer Magie nicht gänzlich zu verfallen? Wir erkennen dann möglichweise, dass der Raum der Stille trotz dieser Wände bereits da ist und kommen ihnen nicht zu nahe.

Anders ausgedrückt: Unter den aufwühlenden Gedanken erfahren wir dennoch Stille.

Vielleicht müssen wir gar nichts machen mit unseren Gedanken, um die Früchte der Meditation zu ernten? Und sie nicht verändern, modifizieren oder neu verorten? Vielleicht sind die Gedanken bereits ein Teil der ersehnten Stille?

Mit den Gedanken verhält es sich ein wenig so:  Wir lauschen einem gigantischen Orchester und sind ganz in seine Darbietung versunken. Da stört es uns auch nicht, wenn drei Reihen weiter jemand hustet oder den Raum kurz verlässt. Dem Konzert selbst wird damit kein Abbruch getan. Die Musik bleibt trotz der Nebengeräusche.

Mühelose Disziplin

Ich möchte an dieser Stelle nicht falsch verstanden werden. Wir brauchen Disziplin und Übung, aber vielleicht gar nicht so viel Energie und Mühe. Es handelt sich eher um ein inneres Austarieren, um uns von den Gedanken nicht komplett fort treiben zu lassen – eine Art Entspannung und Gewahrsein.

Innere Stille kann es auch mit den Gedanken geben. Damit können wir das anstrengende Kräftemessen hinter uns lassen.

Die eigentliche Übung besteht darin, dasjenige zu bemerken, was nicht Gedanke ist. Um auf das Bild vom Raum und seinen Wänden zurückzukommen: Wir nehmen die Wände zwar wahr, bleiben mit unserem Blick aber nicht an ihnen kleben. Sie sind nicht mehr exklusiv.

Diese Stille ist immer da, sie muss nicht erst erschaffen werden. In der Meditation wird nichts erreicht, eher an etwas angeknüpft.

Gedanken entfalten ihren Wert nicht in der Meditation

Selbstverständlich haben auch Gedanken ihren Wert. Das zu ihnen passende Setting ist z.B. ein Beratungsgespräch oder eine Körpersession mit Asanas. In diesen Konzepten setzen wir uns intensiv mit unseren Gedanken und Gefühlen auseinander. In der Meditation selbst stehen unsere Gedanken aber nicht im Mittelpunkt.

Ich hoffe du kannst nun mit ein bisschen mehr Hoffnung und Mut deiner Meditation nachgehen und erfährst in der Leichtigkeit mehr Stille!

Wenn es nicht still wird beim Meditieren

Im Podcast #044 geht es um die Frage, was passiert, wenn es einfach nicht ruhig wird beim Meditieren. Du hast es dir auf deinem Meditationskissen bequem gemacht, dein Handy stummgestellt und die Kerze brennt. Was sich aber partout nicht einstellen will: Die versprochene innere Stille.

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