Wie non-duale Aspekte deine Affirmationen befruchten

Vielleicht hast du schon Erfahrungen mit dem Thema positive Affirmationen gesammelt. Im Kern geht es darum, negative Glaubenssätze in etwas Freundliches oder Optimistisches zu verwandeln. Am liebsten wäre uns, wenn sich die negativen Einstellungen oder Gefühle gleich mit verabschieden. Wenn dir das gelingt, ist es wunderbar und du solltest bei dieser Übungspraxis bleiben. Falls du mit dem Ergebnis nicht wirklich zufrieden bist, ist es hilfreich, die non-duale Perspektive mit einzubeziehen.

Obwohl sich die non-duale Philosophie wenig für Vorgehensweisen wie positive Affirmationen interessiert, ist sie häufig der Wendepunkt für deren nachhaltigen Erfolg.

Ebene des Ich, Ebene der Non-Dualität

Unser Ich ist ständig auf der Suche nach Erfolg und optimalen inneren Zuständen wie Genuss oder Glück. Es ist der Meinung, die Erfüllung im Außen zu finden – in einer Substanz oder dem Bezug zu einem anderen Menschen.

Die non-duale Perspektive dagegen ist am dauerhaften, immerwährenden Glück interessiert und nicht situationsbezogen. Sie entspricht unserem wahren Wesen.

Wir haben es hier also mit zwei konträren Positionen zu tun, die einander nicht ausschließen. Wir können sowohl Kontakt zum immerwährenden Glück haben als auch im Außen nach Erfolg und Selbstoptimierung streben. Bei letzterem setzen positive Affirmationen an, indem sie eine Richtung für unsere Psyche aufweisen. Diese innere Ausrichtung ist unabdingbar für die Reise auf unserem „Lebensschiff“, das sonst ziellos auf dem Ozean umherirren würde. Positives Denken unterstützt alle Mitglieder an Bord dieses Schiffes. Wenn uns aber Widrigkeiten begegnen, weiß die Crew häufig nicht mehr, was sie tun soll.

Was steckt hinter dem Mechanismus der positiven Affirmationen?

Jeder Mensch begegnet im Laufe seines Lebens unangenehmen Situationen. Wenn sich diese häufen, sind wir es irgendwann Leid, immer dieselben Kreisläufe zu durchleben. Häufig ist das der Startpunkt für positive Affirmationen. Sie ähneln sich von ihrem Charakter, weil sie die Abwesenheit von Leid postulieren. Manchmal werden positive Sätze gesprochen wie: „Ich lebe in Fülle“ oder „Ich bin reich“. Etwas moderner wird mit Visualisierungen gearbeitet, in denen der Betroffene sich mit seiner Vorstellungskraft in den erwünschten Zustand hineinkatapultiert – unter Einbeziehung all seiner Sinne.

Was ist die Krux an diesen Methoden? Die Erfolge treten unregelmäßig auf. Um das zu verstehen, müssen wir zum Ursprung zurück, zum Charakter der unangenehmen Zustände. Diese sind fast immer mit einer emotionalen Ladung versehen. Dazu gesellt sich Widerstand, der die negative Ladung verstärkt. Und all diese negativen Ladungen soll die positive Affirmation nun beseitigen. Dass das mehr schlecht als recht funktioniert, zeigt folgendes Bild: Es ist, als ob wir auf einen Hundehaufen ein paar schöne Röschen legten. Und der Hoffnung erliegen, man würde statt dem Duft des Hundehaufens irgendwann nur noch Rosenduft wahrnehmen.

Ein wenig erinnert die Methodik der positiven Affirmationen an das Prinzip des Darwinismus. Es ist unglaublich viel Willenskraft vonnöten, um sich starkem Negativismus entgegenzustellen. Dies gelingt in den meisten Fällen nicht dauerhaft, nicht einmal wenn wir Motivationstrainer besuchen oder die Dynamik einer Gruppe nutzen. Denn selbst dann bleibt die Energie nur geliehen und ist nicht unsere eigene.

Ewiges Tauziehen mit dem Inneren Widerstand

Nicht viel besser sieht es aus, wenn wir positiv-emotional imaginieren. Auch wenn diese Methodik in der Regel von mehr Erfolg gekrönt ist als es rein verbale Versuche sind, bleiben wir doch in einem Kampf gefangen. Wir liefern uns ein Tauziehen mit negativen Zuständen und dem eigenen Widerstand. Das ist unglaublich anstrengend – vor allem, wenn dem zu überwindenden Zustand ein Trauma oder die eigene Genetik zu Grunde liegen. Ein Taoist würde dazu anmerken: „Es ist nicht harmonisch, wenn ich für mein Glück so kämpfen muss.“ Ein Ökonom würde sagen: „Es ist nicht wirtschaftlich, so viel Energie zu verplempern.”

Alternatives Vorgehen: Non-Dualität

Die Non-Dualität liefert einen deutlich effizienteren Ansatz. In dieser Perspektive wird mit der emotionalen Ladung und unserem Widerstand dagegen gearbeitet.

Wir benötien ein inneres Ja zu der Misere, in der wir stecken. Man könnte auch sagen, wir brauchen eine frisch fröhliche Akzeptanz, ein Shake-Hands mit unseren negativen Empfindungen.

Die alten Essener übten sich dazu in einer täglichen Friedenspraxis. Sie gingen innerlich in Akzeptanz mit ihren Gefühlen, Gedanken, der Familie oder der Kultur. Erst im Anschluss affirmierten sie und verbanden sich dabei mit den Kräften der Natur und des Kosmos.

Auch auf dem non-dualen Weg gibt es Hürden. Wir kommen häufig zunächst noch stärker in Kontakt mit unserem Widerstand. Er bäumt sich auf und wir haben den Eindruck: „Wenn ich Ja sage zu all dem Negativen, bleibt kein Raum mehr für das Positive.“

Es ist schon viel gewonnen, wenn wir es schaffen, gegenüber unseren negativen Gefühlszuständen eine neutrale Position einzunehmen. Auch hier arbeite ich gerne mit einem Bild, nämlich dem der Bahnhofshalle. Vielleicht gelingt es uns aus dem sprichwörtlichen Zug der unangenehmen Gefühle auszusteigen und den Aufenthalt in der Bahnhofshalle für eine Neuorientierung zu nutzen. Wir können die Bahnhofshalle nutzen, um uns auszuruhen und uns für das Neue zu öffnen. Auch wenn sich die neue Erfahrung vielleicht erst noch formen muss.

Wenn wir es geschafft haben, in der Bahnhofshalle zu verweilen, kommen uns die Kräfte des Lebens zur Hilfe. Unsere Person betritt erneut das Spielfeld und wir können alle Techniken nutzen, die wir gelernt haben. Freiheit entsteht oder eine natürliche Macht. Diese Macht kämpft nicht, sondern akzeptiert.

Leichtigkeit stellt sich ein

Im Zustand dieser Leichtigkeit haben auch Affirmationen ihren Platz. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um sich zu fragen: „ Was möchte ich wirklich?“. In diesem Moment hat es Sinn, sich mit Haut und Haaren in diesen Zustand hineinzuversetzen und ihn wirklich zu fühlen.

Im nächsten podcast möchte ich gemeinsam mit dir einen solchen Prozess durchlaufen – durch die negativen Gefühle, hin zu mehr Akzeptanz und der Möglichkeit, das zu erschaffen, was du wirklich möchtest.

Aspekte für Deine Affirmation

Im Podcast #047 beschäftigen wir uns mit dem Thema positive Affirmationen sammeln. Im Kern geht es darum, negative Glaubenssätze in etwas Freundliches oder Optimistisches zu verwandeln. Du lernst

  • dass Glück nicht das Ergebnis eines Kampfes ist
  • wann der richtige Zeitpunkt für positive Affirmationen ist
  • die Rolle der Akzeptanz im Umgang mit negativen Gefühlen
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