Wie du emotionale Stärke erlangst

Kennst du das Dilemma? Auf der einen Seite willst du deine Emotionalität mit allen Gefühlsregungen zeigen, auf der anderen Seite dich aber nicht darin verlieren. Oder du bist auf einem spirituellen Weg und willst deine Gefühle quasi überspringen, um direkt Gleichmut zu erlangen. In diesem podcast geht es um die Entwicklung einer inneren Instanz, die der Schlüssel zur Lösung dieser scheinbaren Widersprüche sein kann.

Eines vorweg: Um emotionale Stärke zu erlangen, müssen wir weder innerlich dem Drama frönen noch unsere Gefühle abstellen. Schon gleich gar nicht müssen wir unsere Persönlichkeit in ein Zwangskorsett des „Immer-Gechillten“ pressen oder brauchen eine heilige Licht-Aura.

Denn: Emotionale Stärke wohnt in jenen Menschen, die bereit sind, ganz menschlich zu sein.

Sie beherrschen die gesamte Klaviatur ihrer Emotionen, lassen sich darin aber nicht komplett gehen. Vielmehr verfügen sie über eine innere Contenance, die sie dabei unterstützt in ihrer Emotionalität nicht zu kollabieren. Diese Contenance befindet sich außerhalb der Pole „Gefühlsarmut“ und „Sich komplett im inneren Drama verlieren“.

Was ist die Natur der emotionalen Stärke?

Emotionale Stärke ist wie ein wertfreier Raum, in dem alle Töne ihren Platz haben. Damit sind nicht nur die angenehmen Gefühle gemeint, sondern auch die schrägen, disharmonischen Aspekte. Emotionale Stärke hält alles aus, ohne dabei einzuknicken oder zu bewerten – bei uns selbst, aber auch bei anderen Menschen.

Emotionale Stärke kann sich entspannen, wenn Gefühle auftauchen, weil sie weiß, dass sie in sich alle Emotionen aushalten kann. Eine Voraussetzung für das Entdecken dieser inneren Distanz ist ein Training im „Gefühle wahrnehmen und aushalten“, ein Vertraut-Werden mit den Gefühlen.

Manche Gemüter sind von Natur aus so gestrickt. Sie werden mit diesem Karma geboren und haben Eltern, die sie in ihrer Entwicklung unterstützen. Für viele andere Menschen gilt das aber nicht. Dann empfiehlt es sich, ein Training für emotionale Stärke zu absolvieren.

Rezeptive Seite im Umgang mit Emotionen

  1. Entspanne dich tief und gib dann den Gefühlen – z.B. denen des zurückliegenden Tages – Raum.
  2. Übe den umgekehrten Schritt und lerne dich in der Emotionalität zu entspannen. Dabei entwickelst du Stärke und erfährst, dass sich auch heftige Gefühle aushalten lassen.

Aktive Seite im Umgang mit Emotionen (Zweiter Schritt)

Bei diesem Training kommt die innere Distanz der emotionalen Stärke in Kontakt mit den Gefühlen, z.B. durch ein zorniges Schimpfen, ein Jammern oder Schluchzen. Sie bleibt nicht distanziert vom Geschehen – z.B. über Kopflastigkeit oder Gefühllosigkeit – sondern partizipiert daran. Mit einer Besonderheit: Die emotionale Stärke hält den Kontakt zur Mitte. Sie fällt nicht um, wenn es stürmisch, bedrohlich oder einfach nur befremdlich wird.

In meiner eigenen Erfahrung ist die innere Distanz jenes Moment, das weiter amtet. Und das voll und ganz im Hier und Jetzt verankert ist. Wenn wir diese Distanz in uns implementiert haben, können wir uns auch „hinauslehnen“ zu anderen und bewahren dennoch Contenance.

Im Yoga bezeichnen wir das als Sattva-Qualität. Sattva ist rein, aber niemals träge. Sattva atmet unaufhörlich, weiß um die Veränderlichkeit der Emotionen, negiert sie aber nicht. Sattva gibt den Emotionen Raum und weiß, dass selbst ihre schrägsten oder peinlichsten Ausprägungen aus dem all-einen Bewusstsein stammen und auch dahin wieder zurückkehren. Wenn wir das verinnerlichen, sind wir ganz Mensch.

Auf diesem Trainingsweg können wir uns von großen Vorbildern inspirieren lassen.

Historische Vorbilder als wahre Meister

Jesus z.B. warf die Verkaufsstände im Tempel zornig um. Swami Chinmayananda, ein großer Yogi, hatte immer wieder Wutausbrüche. Und Ram Dass, spiritueller Lehrer aus den USA, berichtete immer wieder von seiner rasenden Eifersucht.

Ich behaupte, dass dies die wahren Meister sind. Sie erkennen ihr wahres Selbst und nehmen diese Erkenntnis in das Menschliche hinein. Es gelingt ihnen, ihre Emotionen mit in den Alltag zu nehmen und dennoch mit ihrer Mitte verbunden zu sein.

Wenn wir selbst Meister werden wollen und andere auf ihrem Weg unterstützen wollen, brauchen wir die Instanz der emotionalen Stärke. Etwas, das weiter amtet, auch wenn es schwierig wird. Und dennoch den uns navigierenden Gefühlen Raum gibt.

Ein Heiligenschein mag andere Menschen beeinflussen, bedeutet aber evolutionäre Stagnation. Oder anders ausgedrückt: ein Stehenbleiben, vielleicht sogar eine Form von Scheinheiligkeit.

Mitten im Leben

Mitten im Leben zu sein bedeutet, zu fühlen und sich in das atmende Feld zu begeben. Dieses Feld können wir immer weiter trainieren und damit in unserer Mitte bleiben.

Wie können wir emotionale Stärke trainieren?

  1. Lade deine Emotionen ein und werde dir bewusst, wie viele verschiedene Nuancen – tiefe, hohe, halbhohe Töne – es gibt. Gib ihnen nach und nach mehr Raum. Lerne die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten kennen. Was passiert, wenn Angst und Schuld aufeinander treffen? Wie fühlt es sich an, wenn Einsamkeit und Scham zusammen kommen? Die Variationen sind unendlich, wir können also jeden Tag neu üben.
  2. Sage Ja zu deinen Gefühlen und heiße sie willkommen.
  3. Atme dabei. Dein Atem gibt den Emotionen einen gesunden inneren Halt und eine Stärke, auf die du dich verlassen kannst. Er ist immer da und hält dich.
  4. Frage dich: Wo möchten deine Emotionen dich hinführen? Worauf wollen sie dich aufmerksam machen? Jedes Gefühl bringt einen Auftrag mit sich, etwas das wir erleben wollen oder in unserem Innersten überhaupt erst entwickeln dürfen. Bleibe dabei immer mit deinem Atem verbunden, der dich trägt.

Lasst uns alle emotional stärker werden! Dann ist auch diese Welt ein toller Ort, an dem wir menschlich sind und menschlich empfangen.

Du möchtest emotionale Stärke in dir erleben? Dann meditiere mit mir.

 

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Im Podcast #038 geht es um die Entwicklung einer inneren Instanz, die der Schlüssel zur Lösung dieser scheinbaren Widersprüche sein kann.

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