Wie du mit deinem Wahrheitsbarometer Lügen entlarven kannst

Sicher kennst du die Momente, in denen du im Gespräch mit deinem Gegenüber am Wahrheitsgehalt des von ihm Gesagten zweifelst – aus gutem Grund. Das kann ein Dialog mit den Eltern sein, ein Krisengespräch mit deinem Partner oder ein Gerücht im Kollegen- oder Freundeskreis. Doch es gibt auch Situationen, in denen wir uns täuschen lassen. In denen wir unsicher sind, ob das Gesagte wirklich wahr ist. Ich möchte dir heute deshalb das Wahrheitsbarometer vorstellen, das jedem von uns innewohnt.

Mit dem Wahrheitsbarometer können wir feststellen, ob unser Gegenüber die Wahrheit sagt bzw. ob das Gesagte stimmig ist. Natürlich bleibt die Tatsache der subjektiv wahrgenommen Wirklichkeit trotzdem bestehen. Und niemand empfindet uns von der Pflicht zum Faktencheck oder zu ausführlichen Recherche, gerade im politischen oder wirtschaftlichen Bereich. Aber im zwischenmenschlichen Kontakt können wir dennoch zu Erkenntnissen über das gelangen, was eigentlich relevant für uns ist. Dazu möchte ich exemplarisch aus meiner Beratungspraxis berichten.

Beispiel aus der Beratungspraxis

Ich hatte eine Klientin, die mit einem sehr rigiden und faktenorientierten Vater aufwuchs. Dieser Vater zeichnete sich durch ein ausgeprägtes Schwarz-Weiß-Denken aus. Die Klientin konnte ihn nicht anlügen, da der Vater sie regelrecht aushörte oder nach Indizien befragte. Obwohl die Tochter weder Interesse an Zigaretten noch an Alkohol hatte, war seine größte Sorge, sie könne beim abendlichen Weggehen von anderen zum Rauchen oder Trinken angestiftet werden. Da der Vater seiner Tochter nicht glaubte, dass sie trotz dauernder „Versuchung“ abstinent bleiben könne, wurden ihr die Treffen schließlich untersagt. Das war insofern schade, als dass die Tochter ihm gegenüber ehrlich war – sie hatte tatsächlich weder geraucht noch getrunken. Er verbot ihr den Kontakt zum Freundeskreis, obwohl REAL gar keine Gefahr existierte.

Der Körper: Instanz zur Wahrheitsprüfung

Die erste Instanz zur Überprüfung der Wahrheit ist unser Körper. Er ist sozusagen eine Wahrnehmungsmaschine. Im Kontakt mit anderen nehmen wir eine Unmenge an Informationen auf – bewusst und unbewusst. Das geht weit über „reale“ Fakten hinaus. In der Regel reagiert unser Körper unmittelbar auf das Gesagte: Mit einem klaren Ja oder Nein, mit einer euphorischen oder skeptischen Stimmung. Wir haben allerdings nicht gelernt, die Botschaften zu dechiffrieren. Dies Bedarf auch tatsächlich einiger Übung. Aber auch wenn wir erst am Anfang dieses Übungsweges stehen, können wir doch recht schnell Tendenzen erkennen.

Allerdings sollten wir uns davor hüten, zum Wahrheitsdogmatiker zu werden. Es gibt viele Situationen, in denen der hundertprozentige Wahrheitsgehalt des Gesagten nicht ausschlaggebend ist. Jede „große“ Geschichte lebt davon, dass Fakten ausgeschmückt werden. Warum sollten wir jemanden blamieren, der gerade hochstapelt? Nur aus Gründen der Verpflichtung zu einer scheinbar objektiven Wahrheit?

Jeder Moment ist perfekt, so wie er ist

Grundsätzlich ist die Situation erst einmal so in Ordnung, wie sie ist. Wenn uns jemand z.B. ein Kompliment macht, sollten wir nicht sofort hinterfragen, ob unser Gegenüber dieses auch wirklich ernst meint. Manchmal wird unser Leben durch derartige Momente erst so richtig bunt.

Wann ist der absolute Wahrheitsgehalt wichtig?

Aber es gibt auch Situationen, in denen es wichtig ist, die Wahrheit möglichst genau zu kennen. Das sind solche, in denen wir das Gefühl haben, hingehalten zu werden. Oder in denen es wichtig ist, zu wissen, ob es jemand ernst meint mit uns. Darüber hinaus sind das Situationen, welche Entscheidungen von uns erfordern. Es ist schwierig, richtig zu entscheiden, wenn wir mit konträren Aussagen konfrontiert sind oder uns wichtige Informationen fehlen.

Bevor uns also mit dem Wahrheitsgehalt einer Situation auseinandersetzen sollten wir uns also fragen: Ist es genau in diesem Moment wichtig, die volle Wahrheit zu kennen? Wenn wir innerlich ein entschiedenes Ja hören, stehen uns zwei Methoden zur Verfügung, die ich im Folgenden vorstellen möchte.

Methoden des Wahrheitsbarometers

Die erste unmittelbare Reaktion, mit denen unser Körper auf eine handfeste Lüge reagiert, ist eine Veränderung seiner Temperatur. Häufig spüren wir dann einen Hauch von Kälte im Brustbereich. Im Tao steht der Bereich des Herzens/Brustraums/Kehlkopfs für das Yang. Sobald eine Störung im kommunikativen Bereich stattfindet – in unserem Falle eine Lüge – wird der energetische Austausch unterbrochen. Der Brustraum geht daraufhin in Resonanz.

Die zweite Reaktion betrifft unseren Bewegungsapparat. Wenn die Herzensenergie durch eine Lüge unterbrochen wird, zieht sich unsere Muskulatur zusammen. Häufig wird dann eine Kontraktion im Bereich des Kehlkopfs wahrgenommen. Manchmal reagieren aber auch andere Körperregionen mit Verspannungen, z.B. die Schultern.

Die dritte Möglichkeit sei der Vollständigkeit halber ebenfalls erwähnt. Manche Menschen spüren sowohl die Veränderung der Temperatur als auch die Verkrampfung ihrer Muskeln. Dies kann gleichzeitig, aber auch nacheinander geschehen.

Das Hineinspüren in den eigenen Körper ist auch im Nachhinein möglich. Etwa wenn wir eine Situation noch einmal Revue passieren lassen und dabei unsere Körperempfindungen beobachten. Dies ist z.B. dann sinnvoll, wenn wir in der Situation selbst nicht in der Lage sind, in den Körper hinein zu spüren.

Im nächsten podcast führe ich dich durch die Methoden des Wahrheitsbarometers. Du kannst anhand einer vergangenen Situation den Wahrheitsgehalt einer Aussage deines Gegenübers erspüren. Bis dahin wünsche ich dir ganz viel Spaß beim Ausprobieren der Methoden!

Dein Wahrheitsbarometer

Im Podcast #051 lernst du mehr über die Momente, in denen du im Gespräch mit deinem Gegenüber am Wahrheitsgehalt des von ihm Gesagten zweifelst. Das kann ein Dialog mit den Eltern sein, ein Krisengespräch mit deinem Partner oder ein Gerücht im Kollegen- oder Freundeskreis

  • wann ist es wichtig ist, die volle Wahrheit zu kennen
  • wie wir unseren Körper zur Wahrheitsprüfung nutzen können
  • welche Gesetze hinter unseren Körperreaktionen stecken
Nach oben scrollen